Ein Stück Österreich, das nur über Oberstdorf erreichbar ist: die vier Orte Riezlern, Hirschegg, Mittelberg und Baad, die drei Bergbahnen, das Gottesackerplateau – und was man an einem Regentag macht.
Das Kleinwalsertal ist eine geografische Kuriosität: Es gehört zu Vorarlberg und damit zu Österreich, hat aber keine Straßenverbindung ins eigene Bundesland – die Berge dazwischen sind zu hoch. Wer hinein will, fährt über Oberstdorf ein. Dieses Abgeschnittensein hat das Tal geprägt: Es ist ruhiger als vergleichbare Alpentäler, überschaubar in der Länge und endet nach rund 15 Kilometern in Baad, wo die Straße aufhört.
Auf diesen Kilometern liegen vier Orte, drei Bergbahnen und eine Karstlandschaft, die es so im Allgäu kein zweites Mal gibt. Hier ist der Überblick – was wo liegt, was sich lohnt und worauf man bei der Planung achten sollte.
Die vier Orte im Überblick
| Ort | Lage im Tal | Charakter | Bergbahn |
|---|---|---|---|
| Riezlern | Taleingang, direkt hinter Oberstdorf | Größter Ort, Einkaufen, Casino, am lebhaftesten | Kanzelwandbahn |
| Hirschegg | Talmitte | Zentral und ruhiger, Ausgangspunkt zum Ifen | Ifenbahn |
| Mittelberg | Hinteres Tal | Historischer Kern, Wildental als stiller Seitenarm | Walmendingerhornbahn |
| Baad | Talende | Bergdorf, hier endet die Straße – der stillste Punkt | – |
Die Orte liegen so nah beieinander, dass die Wahl der Unterkunft weniger über die Erreichbarkeit entscheidet als über die Lautstärke. Wer abends etwas unternehmen will, wohnt in Riezlern; wer Ruhe sucht, in Baad oder im Wildental.
Die drei Bergbahnen
Jede der drei Bahnen erschließt ein eigenes Gebiet mit eigenem Charakter – sie ersetzen einander nicht.
Ifenbahn: der Zugang zum Gottesackerplateau
Zwei 10er-Kabinenbahnen bringen einen von Hirschegg ins Ifen-Gebiet. Im Winter sind das rund 25 Pistenkilometer, im Sommer ist die Bahn Startpunkt für Panoramarunden und für die Touren Richtung Gottesackerplateau. Das Plateau ist die eigentliche Sehenswürdigkeit des Tals: ein Karstgebiet aus Steinfeldern, Rinnen und markanten Felsformationen, das eher an eine Mondlandschaft erinnert als an die grünen Allgäuer Berge nebenan. Feste Schuhe und Trittsicherheit sind dort Pflicht – der Fels ist rau und die Spalten sind tiefer, als sie aussehen. Zur Einkehr gibt es im Gebiet das Restaurant Tafel & Zunder. Die Bahn fährt im Sommer- und im Winterbetrieb mit einer Pause in der Zwischensaison – die aktuellen Zeiten stehen auf der Karte.
Kanzelwandbahn: zwei Länder auf einem Ticket
Von Riezlern geht es hinauf ins Zwei-Länder-Gebiet Fellhorn/Kanzelwand, das die österreichische Talseite mit dem deutschen Fellhorn über Oberstdorf verbindet. Im Winter sind das 36 Pistenkilometer – das größte Skigebiet der Region – plus der Crystal Ground Snowpark für Freeskier und Snowboarder. Im Sommer starten an der Bergstation die Wanderungen im Grenzgebiet. Für Familien ist Burmiwasser die passende Route: ein Weg mit Spiel- und Wasserstationen Richtung Riezler Alpsee. Sportlicher wird es am Zwei-Länder-Klettersteig auf der Kanzelwand.
Walmendingerhornbahn: Panorama auf 2.000 Metern
Die Bahn von Mittelberg bringt Gäste auf knapp 2.000 Meter, wo eine Geo-Aussichtsplattform über einen gläsernen Panoramaaufzug erreichbar ist – der spektakulärste Aussichtspunkt des Tals. Im Winter gehören rund 15 Pistenkilometer dazu.
Wichtig für die Planung: Die Walmendingerhornbahn ist wegen Bauarbeiten zeitweise außer Betrieb. Vor der Anfahrt lohnt der Blick auf die Karte – wer in dieser Zeit Panorama sucht, weicht auf Ifen oder Kanzelwand aus.
Wandern im Kleinwalsertal
Das Tal deckt beide Enden der Skala ab. Am unteren Ende stehen Talwege und die Familienroute Burmiwasser, am oberen das Gottesackerplateau und der Zwei-Länder-Klettersteig. Dazwischen liegen die klassischen Bergwanderungen von den Bergstationen aus – Kanzelwand und Ifen sind beide so angelegt, dass man mit der Bahn hoch und zu Fuß zurück ins Tal kann.
Eine Besonderheit ist das Wildental bei Mittelberg-Höfle: ein Seitental abseits der Hauptstraße, deutlich ruhiger als die Hauptachse und ein guter Startpunkt, wenn man den Bergbahnen bewusst ausweichen will. Baad am Talende ist der andere stille Punkt – hier hört die Straße auf, weiter geht es nur zu Fuß.
Winter: drei Gebiete, rund 76 Pistenkilometer
Im Winter verteilen sich rund 76 Pistenkilometer auf die drei Gebiete: 36 am Fellhorn/Kanzelwand, rund 25 am Ifen, rund 15 am Walmendingerhorn. Das Fellhorn/Kanzelwand ist das große, breit angelegte Gebiet mit dem Snowpark und dem Grenzübertritt auf Skiern. Der Ifen gilt unter Einheimischen als das ruhigere, technisch reizvollere Gebiet. Mehr dazu in unserer Übersicht der Skigebiete im Kleinwalsertal.
Einkehren: von Walser Küche bis Pizza
Kulinarisch fällt auf, wie stark italienisch das Tal geprägt ist – gleich drei Pizzerien in Riezlern und Mittelberg gehören zu den etablierten Adressen. Daneben steht die bodenständige Seite: Wildgerichte, Knödel und Walser Klassiker.
Ein paar Orientierungspunkte: Das Riezlern Eck ist die verlässlichste Adresse für eine unrunde Essenszeit: durchgehend geöffnet, italienisch-österreichische Karte, auch zum Mitnehmen. Das La Vallée im Casino Riezlern ist die gehobene Option mit französischer Bistroküche, Terrasse, Bar und einer eigenen Stube für Feiern. Das Restaurant im Alpenhotel Widderstein in Baad ist die Belohnung am Talende, mit Wild aus einheimischer Jagd und Panoramaterrasse. Und das Gasthaus Das Küren in Hirschegg ist die klassische Einkehr nach der Tour, mit Sonnenterrasse und kostenfreien Parkplätzen.
Kaffee, Kuchen und Regentage
Drei Adressen, die auch dann funktionieren, wenn das Wetter nicht mitspielt. Das Café Baad-Grund in Baad backt Kuchen und Torten in der eigenen Konditorei und serviert die Walser Brotzeit mit Produkten von einheimischen Bauern. Die Uusziit / Huus 151 in Mittelberg ist Café, Weinbar und Vinothek in einem; einmal pro Woche stehen Kääschnöpfle als fester Punkt auf der Karte. Der Kuhstall ist ein umgebauter Stall mit großer Sonnenterrasse mit Blick auf den Widderstein, die im Winter beheizt wird.
Gut zu wissen
- Anreise nur über Oberstdorf. Es gibt keine andere Straße ins Tal. Wer aus Österreich kommt, fährt über deutsches Gebiet ein.
- Bergbahn-Status vorab prüfen. Die Walmendingerhornbahn ist wegen Bauarbeiten zeitweise außer Betrieb; alle drei Bahnen haben saisonal unterschiedliche Betriebszeiten und Pausen in der Zwischensaison.
- Ruhetage sind im Tal die Regel. Fast jedes Gasthaus hat einen, und sie verschieben sich mit der Saison. Für spontane Abende lohnt der Blick in die Karte.
- Gottesackerplateau nicht unterschätzen. Die Karstlandschaft ist wegloser und rauer, als sie von der Bergstation aus wirkt. Feste Schuhe, Trittsicherheit und gutes Wetter gehören dazu.
- Baad ist Endstation. Ab dort geht es nur zu Fuß weiter – was das Bergdorf zum ruhigsten Punkt im Tal macht.
Weiterlesen
Passend dazu: unsere Übersicht zu Essen im Kleinwalsertal, den Unterkünften im Tal und den Skigebieten. Direkt am Taleingang liegt außerdem die Breitachklamm – die tiefste Felsenschlucht Mitteleuropas und ein Ziel, das bei Regen sogar gewinnt.














