Christlessee, Bienenwanderweg, Erlebnisweg Söllereck, Kräuterwanderung und Bergbauernmuseum: fünf familientaugliche Touren – mit dem, was unterwegs für Kinder passiert.
Nicht jede Wanderung muss auf einen Zweitausender führen. Für Kinder entscheidet ohnehin selten die Länge, sondern was unterwegs passiert: ein See zum Steinewerfen, Tiere zum Anschauen, Stationen zum Anfassen oder ein Coaster an der Bergstation.
Fünf Touren im Allgäu, die genau danach ausgewählt sind – kurz genug für kleine Beine, aber mit einem Grund weiterzugehen.
Die fünf Touren im Überblick
| Tour | Wo | Was unterwegs passiert | Passt für |
|---|---|---|---|
| Christlessee | Oberstdorf | See zum Spielen, Café am Ufer | Auch die Kleinsten |
| Bienenwanderweg | Blaichach | Themenpfad, Schauimkerei, Hofladen | Kindergarten- und Grundschulalter |
| Erlebnisweg Söllereck | Oberstdorf | Coaster, Kletterwald, Spielplatz | Grundschulalter aufwärts |
| Kräuterwanderung | Immenstadt | Geführt, Wildkräuter zum Erkennen | Ältere Kinder, Erwachsene |
| Bergbauernmuseum | Immenstadt-Diepolz | Historische Höfe, Tiere, Mitmachen | Jedes Alter, auch bei Wolken |
Ein Wort vorab: Kinder schaffen mehr, als sie sagen
Das erste „Ich kann nicht mehr" kommt fast immer deutlich vor der tatsächlichen Grenze. In der Regel folgt danach noch einmal etwa dieselbe Strecke – eine kurze Verschnaufpause und ein neues Zwischenziel reichen meistens aus. Wer die Tour daran ausrichtet, kommt weiter als geplant, und abends schlafen alle besser.
1. Zum Christlessee, Oberstdorf
Der kurze Spaziergang zum smaragdgrünen Christlessee bei Oberstdorf ist die niedrigschwelligste Tour der Liste – machbar für jedes Alter, auch mit Kindern, die den Großteil des Wegs getragen werden wollen. Am See angekommen, gibt es Ufer zum Spielen und mit dem Café Restaurant Christlessee direkt am Wasser eine Einkehr mit Blick auf See, Wald und Berge. Regionale Küche, und die Pause fällt entsprechend länger aus als geplant.
2. Bienenwanderweg, Blaichach
Ein frei zugänglicher Themenweg, auf dem es um das Leben der Bienen, um Bestäubung und um Honigproduktion geht – erklärt mit Tafeln und Mitmach-Elementen, was den Unterschied zwischen Lesen und Verstehen ausmacht.
Der eigentliche Vorteil ist das Drumherum: Am selben Gelände liegen eine Schauimkerei, eine Schnapsbrennerei, ein Hofladen und eine Gaststube, in der mit den eigenen Produkten gekocht wird. Der Weg ist damit keine reine Wanderung, sondern ein halber Tag – und funktioniert auch dann, wenn die Kinder nach zwanzig Minuten genug vom Laufen haben. Führungen zu Honig und Schnaps gibt es an festen Wochentagen.
3. Erlebnisweg Söllereck, Oberstdorf
Die Söllereckbahn startet in Oberstdorf-Kornau und fährt bis auf rund 1.400 Meter. Oben ist alles gebündelt, was einen Familientag trägt: der Allgäu-Coaster als Ganzjahres-Rodelbahn, ein Kletterwald mit sieben Parcours und ein Abenteuerspielplatz am Berghaus Schönblick.
Für Familien ist das die Tour mit der besten Ausstiegsmöglichkeit: Man kann zu Fuß ins Tal zurück, muss aber nicht – die Bahn fährt in beide Richtungen. Das nimmt der Planung den Druck, wenn die Stimmung kippt.
4. Kräuter- und Waldwanderung, Immenstadt
Die einzige geführte Tour der Liste, und die mit dem größten Lerneffekt: Auf Elfriedes Kräuter- und Waldwanderungen rund um Immenstadt geht es um Wildkräuter und Bäume am Wegesrand – sicheres Erkennen, wertvolle Inhaltsstoffe und traditionelle Anwendungen, mit praktischen Beispielen für Küche und Hausapotheke.
Die Dauer liegt bei etwa zweieinhalb Stunden, Termine gibt es dienstags von Ende April bis Ende Oktober. Für ältere Kinder, die genug vom reinen Laufen haben, ist das die interessantere Variante; Workshops zu Wild- und Heilkräutern sind auf Anfrage möglich.
5. Allgäuer Bergbauernmuseum, Immenstadt-Diepolz
Ein Freilichtmuseum auf über 1.000 Metern Höhe, in dem der Alltag der Allgäuer Bergbauern in historischen Gebäuden wie dem Wiedemann-Hof und dem Sattler-Hof dokumentiert wird – mit vielen Details zum Anfassen. Für Familien ist der Rundgang so geplant, dass Kinder nicht nur schauen, sondern aktiv etwas tun. Museumstiere gehören dazu.
Das ist gleichzeitig die verlässlichste Option bei durchwachsenem Wetter: Der Weg führt im Freien, aber die Höfe stehen als Rückzugsort bereit. Das Museum hat Saisonbetrieb von Palmsonntag bis Anfang November.
Gut zu wissen
- Ein Zwischenziel schlägt jede Motivationsrede. Ein See, eine Hütte oder ein Coaster in Sichtweite bringt Kinder zuverlässiger weiter als Kilometerangaben.
- Wechselsocken einpacken. Christlessee, Bienenweg und Bergbauernmuseum haben alle Wasser in Reichweite – nasse Füße sind eher die Regel.
- Mehr Verpflegung als gedacht. Der Hunger kommt bei Kindern plötzlich und verhandelt nicht.
- Einkehr einplanen. Fast alle fünf Ziele haben eine Gastronomie vor Ort – das gibt der Tour ein Ende, auf das man hinarbeiten kann.
- Saison und Zeiten prüfen. Bergbauernmuseum und Kräuterwanderungen laufen saisonal, die Söllereckbahn hat Betriebspausen zwischen Sommer und Winter.
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