Allgäuer Spezialitäten: Was man in der Region gegessen haben muss

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Kässpatzen, Bergkäse, Dampfbier, Zwiebelrostbraten und Kaiserschmarrn: Was die Allgäuer Küche ausmacht, wie die Gerichte sich unterscheiden – und wo man sie probiert.

Die Allgäuer Küche ist über die Alpwirtschaft entstanden, und das merkt man ihr an: Milch, Butter und vor allem Käse tragen fast jedes klassische Gericht. Dazu kommen Mehlspeisen und deftige Fleischklassiker – Sättigung war lange wichtiger als Feinheit, was der Küche bis heute ihre Ehrlichkeit gibt.

Fünf Dinge, die man in der Region probiert haben sollte, warum sie schmecken, wie sie schmecken – und wo man sie am direktesten bekommt.

Auf einen Blick

SpezialitätWas es istWann am bestenWo probieren
KässpatzenGeschichtete Spätzle mit Bergkäse und RöstzwiebelnNach einer WanderungWirtschaften und Berghütten
Allgäuer BergkäseRohmilch-Hartkäse, mild bis kräftig je nach ReifeGanzjährig, ab HofSennalpen und Käsereien
DampfbierOberstdorfer Bierspezialität, historisches RezeptAbends, oder zur FührungDampfbierbrauerei Oberstdorf
ZwiebelrostbratenRindfleisch mit kräftiger Sauce und RöstzwiebelnZum langen AbendessenGaststuben und Wirtshäuser
KaiserschmarrnZerrupfter Pfannkuchen mit Puderzucker und KompottNachmittags statt KuchenCafés und Berghütten

1. Kässpatzen – das Nationalgericht

Handgeschabte Spätzle, reichlich würziger Bergkäse, knusprig geröstete Zwiebeln – serviert in der gusseisernen Pfanne, dazu ein Beilagensalat, damit die Sache nicht zu schwer wird. Entscheidend ist die Technik: Die Spätzle werden nicht mit dem Käse gemischt, sondern geschichtet, bis der Käse Fäden zieht.

Der Unterschied zu schwäbischen Käsespätzle liegt im Käse. Im Allgäu kommt reifer Bergkäse in die Pfanne, oft in einer Mischung mehrerer Reifegrade – deshalb schmecken Kässpatzen von Haus zu Haus deutlich unterschiedlich. Jede Wirtschaft hütet ihre eigene Mischung, und wer im Allgäu unterwegs ist, wird schnell merken, dass „die besten Kässpatzen" eine sehr persönliche Angelegenheit sind.

Eine gute Adresse mit Biergarten: der Allgäu Stadl in Scheidegg, gelegen in der Fun Area Allgäu – praktisch, wenn der Tag ohnehin dort verbracht wurde. Der Betrieb liegt auf dem Abend, am Wochenende auch früher – die aktuellen Zeiten stehen auf der Karte.

2. Allgäuer Bergkäse – der Grund für alles andere

Ohne Bergkäse gäbe es die Allgäuer Küche in dieser Form nicht. In den Sennalpen und Käsereien der Region entsteht ein Rohmilch-Hartkäse, dessen Charakter fast vollständig über die Reifedauer gesteuert wird: jung schmeckt er mild und nussig, mit den Monaten wird er kräftiger, würziger und trockener, bis sich die typischen Salzkristalle bilden.

Wer den Unterschied verstehen will, kauft nicht im Supermarkt, sondern direkt ab Hof und probiert zwei Reifegrade nebeneinander. Die Berg-Sennerei Gunzesried ist dafür ein guter Anlaufpunkt – ein Sennereiladen mit Verkauf direkt am Erzeugungsort. Ein vakuumiertes Stück übersteht auch eine längere Heimfahrt – gut gereifter Käse ist dabei deutlich unempfindlicher als junger.

3. Dampfbier – und das Bierstacheln

Das Dampfbier ist eine Oberstdorfer Eigenheit: gebraut in der dortigen Dampfbierbrauerei nach einem über hundert Jahre alten Rezept. Interessanter als das Bier selbst ist für viele das Bierstacheln – dabei wird ein glühendes Metallstück ins Glas getaucht. Der Zucker karamellisiert, das Bier erwärmt sich und bekommt eine deutliche Karamellnote. Es ist ein alter Brauch aus einer Zeit, in der Bier im Winter schlicht zu kalt getrunken wurde.

Miterleben lässt sich das bei den öffentlichen Erlebnis-Brauereiführungen, die an festen Wochentagen mit Voranmeldung stattfinden. Braumeister Franz-Josef führt durch den Brauprozess und die Geschichte der Dampfbiere, dazu gibt es ein frisch gezwickeltes Bier direkt aus dem Lagertank, optional mit Bierprobe und Stacheln.

4. Zwiebelrostbraten – der deftige Klassiker

Der Zwiebelrostbraten ist kein rein Allgäuer Gericht, sondern süddeutsches Allgemeingut – aber er gehört auf jede ordentliche Wirtshauskarte: zartes Rindfleisch, kräftige Sauce, goldbraun geröstete Zwiebeln, dazu meist Spätzle. Das ist die Sorte Essen, nach der man den Abend nicht mehr aktiv gestaltet.

Ein Haus, das das mit regionalem Anspruch verbindet, ist die Gaststube Bienenkorb in Blaichach: regionale Küche, ergänzt um eigene Produkte aus Imkerei und Brennerei, rund 50 Plätze innen und ebenso viele draußen auf der Terrasse mit Blick Richtung Grünten. Zum Haus gehören außerdem ein Hofladen, eine Schauimkerei und ein Bienenlehrpfad – womit der Besuch auch tagsüber funktioniert.

5. Kaiserschmarrn – das Dessert, das eine Mahlzeit ist

Streng genommen ein österreichischer Import, im Allgäu aber vollständig eingebürgert: ein dicker Pfannkuchen, während des Backens zerrupft, mit Puderzucker bestäubt und mit Apfel- oder Zwetschgenkompott serviert. Auf Berghütten ersetzt er das Mittagessen, im Tal den Nachmittagskuchen – Portionen für eine Person sind selten wirklich für eine Person.

Im Tal ist das Café Ebert's in Fischen eine unkomplizierte Adresse für Frühstück und Mittagessen – und eine der wenigen im Tal, die keinen Ruhetag kennt.

Gut zu wissen

  • Kässpatzen sind kein Vorspeisengericht. Eine normale Portion ersetzt ein volles Mittagessen – am besten nach einer Tour, nicht davor.
  • Bergkäse nach Reife kaufen. Zwei Reifegrade nebeneinander probieren ist die schnellste Art zu verstehen, warum der Käse so unterschiedlich schmecken kann.
  • Brauereiführungen brauchen Voranmeldung. Die Termine liegen an festen Wochentagen und sind schnell ausgebucht.
  • Ruhetage prüfen. Fast jede Adresse hat einen – die Karten zeigen die aktuellen Zeiten.
  • Mitbringsel. Vakuumierter Bergkäse, Honig und Brände aus der Region halten den Heimweg aus – frische Milchprodukte eher nicht.

Weiterlesen

Wo man die Gerichte konkret bekommt, steht in unseren Ortsübersichten: Restaurants in Oberstdorf und Essen in Sonthofen. Für die Einkehr unterwegs: Einkehr nach der Wanderung und Allgäuer Käse ab Sennalpe.

Häufig gestellte Fragen

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